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Der Landesvorstand der Thüringer NPD beschloss Anfang Januar 2009, Frank Schwerdt, einen rechtsextremen und vorbestraften Multifunktionär, als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Thüringen am 30.August antreten zu lassen.
Zur Person Frank Schwerdt: Der 1944 geborene Frank Schwerdt begann seine politische Karriere in den 1960er Jahren bei der NPD. 40 Jahre später sollte er zum Leiter der NPD-Rechtsabteilung, sowie zum Landesvorsitzenden der NPD Thüringen und dem Vorsitzenden des NPD Kreisverbandes Erfurt aufgestiegen sein. Der Weg dahin verlief jedoch nicht geradlinig. Kurze Zeit nach seinem Beitritt zur NPD verließ er diese und wechselte zur CDU, deren Ortsverband Berlin-Heiligensee er elf Jahre lang leitete. 1989 trat Schwerdt den Republikanern bei und engagierte sich in deren Landesvorstand. Nach einer kurzen Verweildauer verließ er auch diese und trat der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) bei. 1993 wurde Schwerdt Vorsitzender des Vereins "Die Nationalen e.V.". Der 1991 in Berlin gegründete Verein hatte sich unter Beteiligung verschiedener Gruppen und Parteien des rechten Spektrums zum Ziel gesetzt, die zersplitterte Szene zusammenzuführen. Nachdem Schwerdt die Organisation deutlich neonazistisch ausrichtete und gemäßigte Mitglieder diese verließen, entwickelte sie sich zur wichtigsten Vernetzungs- und Sammlungsbewegung der ostdeutschen Neonaziszene.
Im November 1997 löste Schwerdt “Die Nationalen e.V." auf. Laut offizieller Begründung waren „die Aufgaben der Nationalen e.V. […] weitestgehend erfüllt". Von den Mitgliedern, die in 30 Kameradschaften in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sowie der Jugendorganisation "Jungnationale" organisiert waren, lief ein Großteil zur NPD über. Schwerdt selbst war bereits seit einigen Monaten wieder Mitglied in dieser Partei. Im Januar 1998 wurde er zur Belohnung in den Bundesvorstand aufgenommen und konnte als Bundesgeschäftsführer tätig werden.
Mitte des Jahres 1998 wurde Schwerdt wegen Volksverhetzung, Herstellung und Verbreitung von NS-Propagandamaterial sowie Verwendung von Kennzeichen verbotener Organisationen gemeinsam mit den anderen Neonazis Christian Wendt und Lutz Giesen zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt - nachdem bei ihm mehrere Ausgaben der sogenannten "NS-Schulungsbriefe", in denen der Holocaust geleugnet wird, gefunden wurden. Aufgrund seiner Haftstrafe in der JVA Tegel konnte Schwerdt seine Aufgaben als von der NPD ernannter "Verantwortlicher für Presse- und Propaganda" für den Bundestagswahlkampf nicht wahrnehmen.
Am 30. Oktober 1998 verurteilte das Berliner Landgericht Schwerdt wegen Gewaltverherrlichung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe im offenen Vollzug der JVA Plötzensee. Bei einer Durchsuchung seiner Wohn- und Geschäftsräume beschlagnahmten Polizeibeamte 2.500 Exemplare der CD "Unsere Einigkeit macht uns zur Macht" der Thüringer Gruppe “Volksverhetzer“. Die fünfköpfige Band aus Sonneberg hatte ihre Debüt-CD 1997 bei Schwerdts Label und Verlag "Vortrag-Buch-Reise" (VBR) nach Vermittlung des Thüringer Heimatschutz veröffentlicht. Darauf wird im Lied "Blutrausch" Gewalt gegen Punks und Richter verherrlicht:
"Du hast [so ein buntes Schwein] vor Dir liegen, hilflos und am Boden. Da nimmst Du noch mal Anlauf und springst ihm in die Hoden." Und: "Mitten im Gefecht hörst Du auf zu denken. Du willst ihn nur noch töten. Keiner kann Dich lenken."
Schwerdt distanzierte sich während des Prozesses nicht vom Inhalt der CD. Sein Verteidiger, der NPD-Vorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Hans-Günther Eisenecker, forderte einen Freispruch. Schließlich sei „ [...] der Titel ‚Blutrausch' nicht gefühllos" - der Skin lasse "ja gerade seine Gefühle raus". Nach seiner Haftentlassung koordinierte Schwerdt 1999 als Bundesgeschäftsführer der NPD die Beschaffung von Wahlkampfmaterial der Thüringer Partei für den bevorstehenden Landtagswahlkampf.
Am 21. April 2001 wurde Schwerdt auf dem Landesparteitag der Thüringer NPD in Saalfeld zum neuen Landesvorsitzenden der Partei gewählt. Gleichzeitig blieb Schwerdt aber auch in Berlin und Brandenburg aktiv: so gründete sich 2001 mit seiner Unterstützung die Kameradschaft "Märkischer Heimatschutz" (MHS), welche die rechtsextreme Szene und deren Aktivisten in den Kreisen Barnim, Märkisch-Oderland, Uckermark und Oberhavel koordinieren soll. Zu Beginn des Jahres 2002 wurde in Angermünde und Schwedt eine so genannte "Anti-Antifa"-Broschüre mit detaillierten Steckbriefen von Personen, die gegen Neonazis Stellung bezogen, verteilt. Presserechtlich verantwortlich war Frank Schwerdt, als Bestelladresse wurde die "Anti-Antifa Berlin" angegeben.
Neben anderen Veranstaltungen meldete Schwerdt 2002 am 9. November eine Demonstration unter dem Motto "Deutschlands Selbstbestimmung endlich vollenden" in Weimar an. Er begrüßte die "Befreiung von der Vorherrschaft der Russen" und forderte die "Befreiung von der Vorherrschaft der anderen Besatzungsmächte". Am 21. Juni 2003 trat Schwerdt dann als einziger Redner bei dem von der NPD angemeldeten ersten Rechtsrock-Open-Air "Rock gegen Krieg" in Gera auf. Er bezeichnete die USA als den größten "Kriegstreiber" in der Welt, dem es darauf ankomme, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Auf der Veranstaltung trat Schwerdt ebenfalls in den folgenden Jahren einschließlich 2006 als Redner auf. Anfang Oktober 2003 wurde er auf dem NPD-Bundesparteitag in Saarbrücken unter dem Motto "Europäische Freiheit statt US-Imperialismus" auf Listenplatz 13 für die Wahl zum Europäischen Parlament gewählt.
Am 5. Juni 2004 veranstaltete die NPD unter dem Motto "Gegen linke Medienhetze, für eine gleichberechtigte nationale Jugendkultur" in Schleusingen eine Demonstration, an der sich ca. 110 Personen beteiligten. Als Redner trat unter anderem Frank Schwerdt auf. Weiterhin sprach Schwerdt am 3. Juli 2004 in Gotha auf einer Demonstration unter dem Motto "Nein zur Agenda 2010! Ja zu sozialer Gerechtigkeit! - Unsere Agenda heißt Widerstand!" vor etwa 150 Rechtsextremist/innen . Auf dem Landesparteitag der NPD im September 2004 wurde Schwerdt als Landesvorsitzender und bei dem 30. ordentlichen Bundesparteitag unter dem Motto "Arbeit-Familie-Vaterland" am 30./31. Oktober in Leinefelde als Bundesvorstand der NPD bestätigt. Nach den brutalen Übergriffen von NPD-Parteifunktionären auf linke Gegendemonstrant/innen im schleswig-holsteinischen Steinburg verteidigte er diese in der Berliner Zeitung vom 8. Januar 2005: „Wenn die Polizei eine politische Versammlung nicht vor Gewalttätern wirkungsvoll schützt, dann muss das ungehinderte Versammlungsrecht eben mit eigenen Kräften gesichert werden".
Zum Eintritt des im März 2005 wegen Volksverhetzung verurteilten Sängers der Band Landser, Michael "Lunikoff" Regener, in die NPD äußerte sich der Bundesgeschäftsführer Schwerdt: „Das ist - denke ich mir - auch ein Fortschritt im Kampf um Köpfe und durch den Eintritt von Michael Regener können wir also und haben wir die Chance, dass wir die Szene einmal politisieren mehr, dass sie also aus der Musik heraus sich zur ernsthaften politischen Arbeit bewegen und die an die NPD ranführen, das ist also der Sinn der Übung." und „Die NPD wird die nicht bewerten, die Aussagen von Herrn Regener. Weil also, was Herr Regener betreibt, im Prinzip ist das ist eben auch Kunst, nich?" Gelegenheit diese zu erleben, hatte er am 2. April 2005 als der Landser-Sänger vor circa 1.300 - 1.500 Neonazis in Pößneck sein Abschiedskonzert vor dem Haftantritt gab. Die von der Stadt verbotene Veranstaltung konnte durchgeführt werden, da die Thüringer Polizei nur 200 - 300 Beamt/innen nach Pößneck beorderte, die das Verbot nicht durchsetzen konnten und hilflos zusahen, als die Konzertbesucher/innen anfingen, zu randalieren. Dabei war das Konzert dem Verfassungsschutz tagelang vorher bekannt - als Veranstaltungsleiter trat nach dessen Angaben Frank Schwerdt auf.
Im Zusammenhang mit den verhinderten Kofferbomben-Anschlägen im Sommer 2006 wurde die Zusammenarbeit der NPD mit der antisemitischen islamistischen Organisation "Hisb ut-Tahrir" offenbar. Dabei geriet auch Schwerdt in den Blickpunkt, da er am 16. Februar 2003 bei einer Veranstaltung der JN in Duisburg unter dem Motto "Kein Blut für Öl - Nein zum Krieg" aufgetreten war - bei jener Veranstaltung stand auch die Führungsfigur von "Hisb ut-Tahrir" Shaker Assem auf der Rednerliste. Gegenüber der ARD-Sendung "Kontraste" nahm Schwerdt zu den politischen Zielen der NPD Stellung: „Wir bevorzugen eher das sozialistische Modell, dass soziale Modell in diesem Land, allerdings einen Sozialismus, der sich hier auf dieses Land bezieht, auf die Nation. Deswegen sagen wir 'Nationaler Sozialismus'." Auf die Nachfrage: „Ist das Nationalsozialismus?" antwortete er: „Man kann das so bezeichnen.".
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